Vorteile und Nachteile der Balanced Scorecard

Die Balanced Scorecard ist ein geniales Instrument für die strategische Planung und das Berichtswesen. Allerdings hat das System wie so ziemlich alles im Leben nicht nur Vorteile. Wollen wir uns daher die Chancen und Risiken der Balanced Scorecard deshalb etwas genauer ansehen.

Die Chancen der Balanced Scorecard

Alle ziehen an einem Strang: Durch die Balanced Scorecard werden alle Ziele an der Strategie des Unternehmens ausgerichtet. Das bedeutet, dass alle Mitarbeiter des Unternehmens in dieselbe Richtung steuern. Alle Bereiche werden auf die langfristige Perspektive ausgerichtet.

Verkettung wichtiger Faktoren: Es wird keine einseitige Betrachtung vorgenommen, sondern Aspekte, die sonst gerne unter den Tisch fallen, werden ebenfalls in die Kennzahlen-Betrachtung einbezogen. Sie werden untereinander verzahnt, sodass genau die Informationen erhoben werden, die für fundierte Entscheidungen benötigt werden.

Möglichkeit von On-Demand Reaktionen: Durch veränderliche Rahmenbedingungen kann es immer dazu kommen, dass es erforderlich wird, die strategische Planung zu verändern. Dadurch muss auch das Berichtswesen an die geänderte Situation angepasst werden. Die Balanced Scorecard lässt es zu, on Demand auf die geänderten Anforderungen des Marktes zu reagieren. Die erarbeiteten Kennzahlen können dann geändert werden, sodass sie wieder exakt die Informationen liefern, die für die Einschätzung der weiteren Entwicklung des Unternehmens relevant sind.

Zukunft im Fokus: In vielen Unternehmen bleibt die exakte Entwicklung in der Zukunft mehr oder weniger unkommentiert, da man zu sehr mit dem aktuellen Tagesgeschehen beschäftigt ist. Sobald einmal eine Balanced Scorecard implementiert ist, kann die Zukunft schon gar nicht mehr aus dem Blickfeld verschwinden, denn dieses Kennzahlensystem ist ja gerade auf die strategische Planung des Unternehmens ausgerichtet.

Aktive Entscheidungen statt passiver Reaktionen: Die Balanced Scorecard zeigt Entwicklungen in die falsche Richtung sofort auf. Dies ermöglicht es, Maßnahmen zu ergreifen. Gewöhnlich stehen zu einem so frühen Zeitpunkt noch mehrere Handlungsalternativen zur Verfügung. Sobald schlechte Ereignisse bereits eingetreten sind, kann nur noch reagiert werden – mit einer Entscheidung hat dies nichts zu tun.

Information und Kommunikation: Die oftmals recht allgemein und abstrakt formulierten Unternehmensziele und die Vision werden mithilfe einfach verständlicher Kennzahlen allen Hierarchiestufen zugänglich gemacht. Dadurch verstehen auch die Mitarbeiter, in welche Richtung das Unternehmen steuert und ziehen gemeinsam an einem Strang. Häufig werden die BSC-Kennzahlen genau aus diesem Grund für die Berechnung von Mitarbeiteranreizsystemen verwendet.

Messbarkeit: Erfolgskriterien, die bisher nur mäßig bis gar nicht messbar waren, werden nun so in Kennzahlen gepackt, dass sie bewertet und gemessen werden können. Dadurch bleiben Themen wie die Kundenzufriedenheit, das Betriebsklima oder der Umweltschutz nicht mehr unbeachtet.

Die Nachteile der Balanced Scorecard

Riesiger Umfang: Die Balanced Scorecard komplett einzuführen, bedeutet einen riesigen Aufwand für ein Unternehmen. Diesen Aufwand können die wenigsten Unternehmen komplett stemmen. Nur ein Bruchteil der erfolgreich mit der Balanced Scorecard agierenden Unternehmen hat das System tatsächlich komplett eingeführt und das Konzept vollständig umgesetzt.

Hohe Kosten: Die Kosten für die Balanced Scorecard sind alleine bereits durch die Anzahl an notwendigerweise an der Einführung beteiligten Personen sehr hoch. Noch schlimmer wird es, wenn ein externer Berater hinzugezogen werden muss, der die Einführung begleitet. Sofern die BSC softwaregestützt ablaufen soll, müssen weitere hohe Kosten einkalkuliert werden. Bei vielen Unternehmen fällt die Kosten-Nutzen-Abwägung nicht positiv aus.

Fehlendes Know-how: Solange die Einführung der BSC von einem Experten begleitet wird, sind erste Erfolge zu verbuchen. Was passiert allerdings, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern und damit auch die Kennzahlen verändert werden müssen? Häufig werden an dieser Stelle durch die zuständigen Controller falsche Schlüsse gezogen. Bereits kleinste Fehler in der Balanced Scorecard können verheerende strategische Fehlentscheidungen nach sich ziehen.

Der Zeitfaktor: Häufig ist es so, dass die Einführung der Balanced Scorecard vorrangig auf dem Rücken der vorhandenen Spezialisten und Führungskräfte ausgetragen wird. Diese sind aber im Regelfall zeitlich ohnehin bereits aus- bis überlastet. Deshalb kann es dazu kommen, dass entweder der BSC-Prozess oder aber das operative Geschäft leiden müssen – beides ist nicht optimal. In so mancher Literatur spricht man von einer dreimonatigen Einführungszeit. Die Praxis zeigt aber, dass aufgrund verschiedenster Probleme wesentlich mehr Zeit eingeplant werden sollte.