Balanced Scorecard im Berichtswesen & Controlling

Auswirkungen der Balanced Scorecard auf das Berichtswesen und Controlling

Die Einführung der Balanced Scorecard im Unternehmen hat auf das Berichtswesen und das Controlling nicht nur ein paar Auswirkungen – es ändert im Prinzip die komplette Arbeit in diesen Bereichen. Die Erhebung und Betrachtung vergangenheitsorientierter Kennzahlen bedarf im Prinzip keines großen Aufwands. Die erforderlichen Daten liegen gewöhnlich bereits in einem Informationssystem bereit und werden automatisch ausgewertet. Eine Balanced Scorecard verändert die Arbeit im Berichtswesen daher wesentlich.
 

Mehr Aufwand durch Balanced Scorecard?

Zunächst verändert sich die Arbeit im Controlling dahingehend, dass andere und unter Umständen auch mehr Kennzahlen als bisher bearbeitet werden. Für die strategische Planung mithilfe der Balanced Scorecard verändert sich zudem ein weiterer Umstand: Es werden zum ersten Mal Kennzahlen erarbeitet, die nicht aus dem finanziellen Bereich. Kennzahlen aus dem finanziellen Bereich können in den meisten Fällen aus bestehenden Informationssystemen abgerufen werden.
 
Wenn jedoch in Zukunft Kennzahlen aus dem Bereich der Mitarbeiter oder der Geschäftsprozesse erfasst werden, stehen entsprechende Informationen häufig noch nicht zur Verfügung. Soweit es die Mitarbeiter betrifft, ist beispielsweise viel Vorarbeit aus dem Bereich Personalwesen erforderlich. Sofern im Unternehmen nicht bereits entsprechende Informationssysteme implementiert wurden, ist davon auszugehen, dass das Datenmaterial noch nicht vorliegt und oft sogar von Hand ermittelt werden muss.
 
Dies führt auch dazu, dass die Arbeiten für die strategische Planung nicht gerade beliebt sind. Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet die Einführung der Balanced Scorecard zunächst einmal häufig einen enormen Mehraufwand für die Ermittlung der Daten.
 

Reagieren „On-Demand“

Die Balanced Scorecard ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die betrachteten Kennzahlen im Verlaufe der Zeit ändern können. Wenn sich die Rahmenbedingungen des Unternehmens ändern, müssen sich auch die Richtwerte ändern, anhand derer die strategische Planung für die nächsten Jahre vorgenommen wird. Andernfalls wären schwere Fehlentscheidungen möglich und wahrscheinlich.
 
Für das Controlling und das Berichtswesen bedeutet das, dass es On-Demand, also immer auf Nachfrage reagieren muss. Sobald sich beispielsweise steuerliche Änderungen ergeben, die Konjunktur stark schwankt oder sich die Nachfragesituation am Markt drastisch ändert, muss auch das Berichtswesen flexibel und on Demand darauf reagieren.
 

Änderungen im Berichtswesen

Auch der gesamte Charakter des Berichtswesens verändert sich. Es handelt sich dabei nicht mehr weiter um eine starre Betrachtung der Erfolge vergangener Periode, die im Grunde genommen keinerlei Aussagekraft für die Zukunft aufweisen. Zukünftig liefert das Controlling Informationen, die tatsächliche Entscheidungsgrundlagen sein können. Je besser durchdacht die Balanced Scorecard ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Fehlentwicklungen in den verschiedensten Bereichen zeitnah aufgedeckt werden und so Probleme in der Zukunft verhindert werden.
 
Ein Beispiel: Die Umsätze zeigen eine deutliche Steigerung der Menge, die Produktivität steigt. Verpasst man nun im Unternehmen die Gelegenheit, auch die Kundenseite zu betrachten, fällt vielleicht gar nicht erst auf, dass auf der anderen Seite die Qualität gesunken ist und die Kundenbeschwerden zugenommen haben. So würde die Geschäftsführung denken, man sei auf dem richtigen Weg in Richtung Wachstum. Tatsächlich besteht aber bereits ein Problem, das früher oder später zu starken Umsatzeinbußen führen wird.