Balanced Scorecard Beispiele & Kennzahlen

Wenn man sich zum ersten Mal mit der Balanced Scorecard beschäftigt, mag es durchaus schwierig sein, sich dieses riesige Informationskonstrukt praktisch vorzustellen. Tatsächlich sieht man einer BSC auch auf den ersten Blick nicht an, wie viel Arbeit eigentlich dahinter steckt. Im Folgenden erläutern wir Beispiele für einen möglichen Aufbau einer Balanced Scorecard.

Eine Balanced Scorecard wird gewöhnlich übersichtlich in Form einer Tabelle dargestellt, aus der die wichtigsten Ziele, Kennzahlen, Zielwerte und Maßnahmen direkt abgelesen werden können.

Anmerkung: Unsere Beispiele beziehen sich nicht auf eine echte Situation, sondern sind lediglich als stellvertretende Beispiele für zahlreiche Möglichkeiten in der Praxis anzusehen. Sie dienen lediglich der Verdeutlichung des Aufbaus einer Balanced Scorecard.

Kennzahlen und Beispiele für die finanzielle Perspektive

Strategisches Ziel: Um die eigene Marktposition zu sichern, soll der Umsatz des Unternehmens stets stärker steigen als der der Wettbewerber.
Kennzahl/Messgröße: Umsatzzahlen
Zielwert: 10 Prozent über Wachstum der Wettbewerber
Erforderliche Maßnahmen: Durchführung regelmäßiger Branchen-Benchmarks, exakte Beobachtung der Wettbewerber und der Marktentwicklungen, Zielerreichung in der Lern- und Entwicklungsperspektive

Strategisches Ziel: Um die Liquidität des Unternehmens zu sichern, sollen die Außenstände reduziert werden.
Kennzahl/Messgröße: Liquidität 3. Grades
Zielwert: Erhöhung um 20 Prozent
Erforderliche Maßnahmen: Etablierung eines konsequenten Mahnwesens, Nutzung von Factoring, Bonitätsüberprüfung von Neukunden ab einem Auftragswert von über 1.000 Euro, Vereinbarung von Sicherheiten bei einem Auftragswert von über 10.000 Euro

Strategisches Ziel: Die Umsatzrendite soll langfristig erhöht werden.
Kennzahl/Messgröße: Umsatzrendite
Zielwert: Steigerung um 5 Prozent
Erforderliche Maßnahmen: Senkung der Kosten, Erhöhung der Gewinnspannen, Realisierung höherer Preise

Kennzahlen und Beispiele für die Kundenperspektive

Strategisches Ziel: Durch Anreizsysteme sollen Bestandskunden dazu bewegt werden, Neukunden zu werben.
Kennzahl/Messgröße: Neukunden pro Monat
Zielwert: Steigerung um 15 Prozent
Erforderliche Maßnahmen: Entwicklung eines Anreizsystems, beispielsweise auf Basis von Einkaufsgutscheinen, Rabatten, Bonussystemen etc.

Strategisches Ziel: Eine schnellere Bearbeitung von Reklamationen soll die Kundenzufriedenheit erhöhen.
Kennzahl/Messgröße: Durchschnittliche Bearbeitungszeit von Reklamationen
Zielwert: kürzere Dauer als vier Tage
Erforderliche Maßnahmen: Schulung der Mitarbeiter im Kundenservice, regelmäßige Kundenbefragungen

Strategisches Ziel: Die Zufriedenheit der Kunden muss gesteigert werden, da diese einen direkten Einfluss auf Anzahl der Weiterempfehlungen hat.
Kennzahl/Messgröße: Zufriedenheitsgrad der Kunden (Ermittlung durch regelmäßige Kundenumfragen)
Zielwert: 90 Prozent zufriedene Kunden
Erforderliche Maßnahmen: besserer Kundenservice, höhere Produktqualität, schnellere Auftragsbearbeitung

Kennzahlen und Beispiele für die interne Prozessperspektive

Strategisches Ziel: Um den Umsatz dauerhaft zu steigern, ist es erforderlich, die Vertriebsaktivitäten zu stärken.
Kennzahl/Messgröße: Pro-Kopf-Umsatz pro Verkäufer
Zielwert: Steigerung um 10 Prozent
Erforderliche Maßnahmen: neue Marketing-Aktionen, verbesserte Kommunikationspolitik, Incentive-Aktionen, Reduzierung der Bürozeiten durch Ausbau des Personalstamms im Vertriebsinnendienst

Strategisches Ziel: Um die Kosten zu senken und die Produktionsgeschwindigkeit zu erhöhen, sollen die Fertigungsabläufe optimiert werden.
Kennzahl/Messgröße: Durchlaufzeit (je Prozess)
Zielwert: Verkürzung um 20 Prozent
Erforderliche Maßnahmen: Prozessanalysen, Arbeitsplatzumgestaltungen, Mitarbeiterschulungen, Organisation einer besseren Materialversorgung

Strategisches Ziel: Für die Förderung des Unternehmensimages in der Region sollen zukünftig mehr Materialien innerhalb der Region beschafft werden.
Kennzahl/Messgröße: Regionalquote (= Anteil des aus der Region stammenden Materials)
Zielwert: Steigerung um 25 Prozent
Erforderliche Maßnahmen: Aufnahme neuer Lieferanten ins Programm, Preisverhandlungen mit neuen Lieferanten, Werbung mit regionaler Orientierung

Kennzahlen und Beispiele für die Lern- und Entwicklungsperspektive

Strategisches Ziel: Die besten Ideen schlummern meist bei den Mitarbeitern. Dieses Potenzial soll mithilfe eines betrieblichen Vorschlagswesens genutzt werden.
Kennzahl/Messgröße: Anzahl der eingereichten Verbesserungsvorschläge, Anzahl der umgesetzten Verbesserungsvorschläge
Zielwert: Vorschläge von 15 Prozent der Mitarbeiter pro Jahr
Erforderliche Maßnahmen: Einführung des betrieblichen Vorschlagswesens, Bekanntmachung des Vorschlagswesens, Erarbeitung eines Anreizsystems oder Vergütungssystems für angenommene Vorschläge

Strategisches Ziel: Zur Reduzierung der Personalkosten und Erhöhung der Produktivität soll die Krankenquote gesenkt werden.
Kennzahl/Messgröße: Krankenquote
Zielwert: Reduzierung um 20 Prozent
Erforderliche Maßnahmen: Erhöhung der Mitarbeitermotivation, z. B. durch monetäre und nichtmonetäre Anreizsysteme, Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, Angebot von Gesundheitsvorsorgeleistungen, regelmäßige Untersuchungen durch den Betriebsarzt

Strategisches Ziel: Eine konsequente Weiterbildung der Mitarbeiter soll gefördert werden, um das Know-how im Unternehmen zu erhalten.
Kennzahl/Messgröße: Anzahl der Weiterbildungstage je Mitarbeiter und Jahr
Zielwert: 10 Tage pro Mitarbeiter und Jahr
Erforderliche Maßnahmen: Erweiterung des internen Schulungsangebots, Aufnahme weiterer qualifizierter externer Weiterbildungsinstitute in den Weiterbildungskatalog, Einführen von regelmäßigen Weiterbildungsgesprächen mit allen Mitarbeitern


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